Burg und Schloss Frýdlant
Wo die Geschichte des „Terra Felix“ geschrieben wurde. Frýdlant ist nicht nur ein Denkmal. Es ist ein Ort, an dem mittelalterliche Strenge auf Renaissance-Eleganz trifft, militärische Strategie auf Kunst – und an dem eine der mächtigsten Geschichten der böhmischen Geschichte entstand.
Die Bibersteiner – Erbauer der Festung
Auf einem Basaltfelsen über dem Fluss Smědá erhob sich um die Mitte des 13. Jahrhunderts eine Burg mit einer klaren Aufgabe: die Handelswege und die Nordgrenze des Königreichs Böhmen zu schützen. Der mächtige Bergfried, die starken Mauern und die Palasbauten waren nicht nur Architektur – sie waren Machtdemonstration.
Im Jahr 1278 gelangte die Herrschaft in den Besitz der Familie Biberstein. Gerade sie verliehen Frýdlant seinen monumentalen Charakter. Sie errichteten einen gewaltigen Burgpalast und machten die Anlage zu einer der bedeutendsten Festungen Nordböhmens. Frýdlant wurde zum Symbol von Stabilität und Einfluss.
Die Renaissancezeit der Redern
In den Jahren 1558–1620 gehörte die Herrschaft der Familie Redern. Sie waren nicht nur fähige Verwalter und Krieger, sondern auch gebildete Mäzene. Sie brachten den Geist der Renaissance nach Frýdlant. Ein neues Schloss und eine Kapelle entstanden nach Entwürfen des italienischen Architekten Marco Spazzio di Lancio. Neben der gotischen Festung stand nun eine komfortable repräsentative Residenz – Symbol kultureller Offenheit und europäischer Ambitionen. Frýdlant wandelte sich von einer Militärfestung zu einem aristokratischen Sitz.
Albrecht von Wallenstein – Der Schöpfer des „Terra Felix“
Im Jahr 1622 erwarb Frýdlant für 150.000 Gulden ein Mann, der den Lauf der europäischen Geschichte verändern sollte: Albrecht von Wallenstein. Während des Dreißigjährigen Krieges baute er rund um Frýdlant eine gewaltige Wirtschaftsdomäne auf. Seine Besitzungen versorgten eine der stärksten Armeen Europas. Die Region erhielt den Beinamen Terra Felix – das „Glückliche Land“.
Wallenstein war nicht nur Feldherr. Er war Stratege, Visionär und ein Mann ungeheurer Ambitionen. Er wollte Frýdlant zum Zentrum seines nordböhmischen „Staates im Staate“ machen. Seine dramatische Ermordung im Jahr 1634 beendete diesen Traum abrupt.
Die Familien Gallas und Clam-Gallas – Aristokratie zwischen Wien und Frýdlant
Die Familie Gallas erhielt die Herrschaft als kaiserliche Konfiskation. Damit begann eine über drei Jahrhunderte währende Epoche. Die Gallas gehörten zur diplomatischen Elite der Habsburgermonarchie und wirkten als Gesandte in Spanien, Italien und am päpstlichen Hof. Frýdlant war für sie kein abgelegener Sitz im Norden Böhmens – es war repräsentativer Bestandteil ihrer europäischen Identität.
Im Jahr 1759 ging die Herrschaft auf die Familie Clam-Gallas über, die Namen und Besitz beider Linien vereinte. Gerade diese Familie prägte Frýdlant in jener Form, wie wir es heute bewundern. Bereits 1801 öffneten sie einen Teil der Burg der Öffentlichkeit. Dies war kein gewöhnlicher Schritt. Der Adel hütete seine Schätze meist als Symbol der Exklusivität. Hier jedoch entstand eines der ersten Burgmuseen Mitteleuropas. Dieser Schritt war nicht nur romantische Geste, sondern Ausdruck aufgeklärten Denkens und aristokratischen Selbstbewusstseins. Frýdlant wurde zu einem Ort der Erinnerung – nicht nur zu einer privaten Residenz.
Im 19. Jahrhundert erfolgten zudem die letzten größeren baulichen Veränderungen, insbesondere der Umbau des Kastellansflügels.
Zu den markantesten Persönlichkeiten der neueren Geschichte Frýdlants gehörte Franz Clam-Gallas (1854–1930), General der österreichisch-ungarischen Armee, der im Ersten Weltkrieg an der Ostfront kommandierte.
Auf Frýdlant repräsentierte er eine Welt, die langsam zerfiel – die Welt der Uniform, der höfischen Etikette, des Glaubens an den Kaiser und an eine feste Ordnung. Nach 1918 musste er sich mit dem Zerfall Österreich-Ungarns und der Entstehung der Tschechoslowakei auseinandersetzen. Die Familie verlor einen Teil ihres politischen Einflusses, doch Frýdlant blieb ihr Sitz.
Das Jahr 1945 bedeutete einen endgültigen Wendepunkt. Auf Grundlage der Beneš-Dekrete ging der Besitz der Familie Clam-Gallas in Staatseigentum über. Da die Familie das Anwesen kontinuierlich gepflegt und nicht modischen Modernisierungen unterworfen hatte, blieben Burg und Schloss in außergewöhnlich authentischer Form erhalten.